Baumkronenpfad

Mitten im Hainich, nicht weit von Bad Langensalza entfernt, ragt ein 44 Meter hoher Turm über die Baumwipfel hinaus in den Himmel. Er ist Start- und Schlusspunkt eines neuen Baumkronenpfads, der sich durch die Gipfel der Laubbäume schlängelt.

Irgendwie ein seltsames Gefühl. So ungewohnt, auch ein wenig aufregend. Mitten in den Bäumen zu stehen, weit über dem Waldboden, ohne sich jedoch an Ästen festkrallen zu müssen, ohne die Angst, gleich herunterzufallen. Den Kopf in die Baumkronen zu stecken, auf der Suche nach Dingen, die man sonst nicht sieht. Blüten in 15 Metern Höhe etwa. Oder Vogelnester. Ganz dicht unter den Wolken.



Auf den Holzleisten des Baumkronenpfades läuft es sich sicher. Es wackelt nicht. Es knarzt nicht. Und wenn man seine Höhenangst für einen Augenblick überwindet, die ersten Schritte auf dem 306 Meter langen Pfad macht, dann steht man ihnen gegenüber - auf gleicher Höhe: den Wipfeln der Laubbäume im Hainich, hoch oben, 24 Meter über dem Waldboden. Ein seltener Blick, von oben nach unten anstatt von unten nach oben.

Ein Baumkronenpfad soll lehrende Elemente mit eher erlebnisorientierten Abschnitten verbinden. Und verständlich machen, was im Lebensraum

 Baumkrone so vor sich geht. Welche Tiere dort wohnen, Klein- und Kleinstlebewesen. Wie das Klima ist. In Deutschland ist der Pfad im Hainich erst der zweite seiner Art. Der erste entstand 2003 im Biosphärenreservat Pfälzerwald-Vosges du Nord. Er ist mit 200 Metern erheblich kürzer und mit 35 Metern an seiner höchsten Stelle auch ein gutes Stück niedriger.

Start und Schlusspunkt im Hainich ist der 44 Meter hohe Turm, mit seiner orangenen Plattform ragt er noch über die Baumspitzen hinaus. Er hat einen Durchmesser von vier Metern, die Aussichtsterrasse ist zwei Meter breiter. Sie ist offen und gibt den Blick frei über den gesamten Nationalpark, der jede nur erdenkliche Schattierung der Farbe Grün präsentiert. Dahinter Mülverstedt. Weberstedt. Schönstedt. Alterstedt. Bad Langensalza. Mühlhausen.

In einer Höhe von zehn Metern geht es los, man verlässt das eiserne Treppengitter des Turms und tritt auf den Pfad, der sich geschickt an den Baumstämmen vorbei durch den dichten Wald windet. Auf silbernen Stahlstreben, wie ein überdimensionaler, langer Wurm. Oder ein Tausendfüßler. Zwei Bäume mussten für die Konstruktion gefällt werden, nicht etwa um eine Kurve einzusparen, sondern weil ein Kran im Wald Platz finden musste. Dass es nicht mehr Bäume waren, die durch den Bau des Lehrpfades zu Schaden kamen, erstaunt, wenn man sich die Dichte des Baumwuchses an der Stelle ansieht. Hier wurde kein Baum künstlich, akkurat nebeneinander gepflanzt. Hier wachsen die Buchen und Eichen, die Eschen und all die anderen Riesen kreuz und quer. Klein neben groß, krumm neben gerade. Mächtige Baumveteranen neben stehendem Totholz.

Eine tolle Leistung der Baumfirma, die darauf geachtet hat, den natürlichen Lebensraum nicht zu zerstören, findet Andrea Fischer. Sie ist Geschäftsführerin der Promo GmbH, deren Tochterfirma den Lehrpfad betreibt. Die 41-Jährige hat sich die Höhenangst inzwischen abtrainiert. Übungssache, sagt sie. Wie oft Andrea Fischer schon auf den 306 Metern unterwegs war kann sie nicht mehr sagen. Manchmal mehrmals am Tag. Das erste Mal im März, da war ihr noch mulmig. Ein Kribbeln im Bauch, die Knie ein bisschen wackelig. Damals hat sie sich noch am Geländer festgehalten, jetzt nicht mehr.

Der Lehrpfad führt direkt an den Bäumen vorbei, man kann die Stämme berühren, wenn man die Arme ein wenig streckt. Die Stämme sind mit dicken, schwarzen Seilen fixiert, so dass sie der Wind nicht gegen den Pfad drückt und dadurch die Rinde beschädigt wird. Die Geräusche, die man hier oben hört, kommen unten am Waldboden gar nicht mehr an. Das sanfte Rascheln und Knirschen der Blätter, das Surren von kleinen Insekten, die zwischen den Baumspitzen umher schwirren, der Wind, der sich oben anders anhört als unten. Er ist lauter, deutlicher.

Der Weg - normalerweise zwei Meter breit - ist an vier Stellen zu kleinen Plattformen ausgeweitet. Bänke stehen hier. Und Informationstafeln. Sie erklären den Besuchern die Besonderheiten verschiedener Lebensräume im Hainich mit den dazugehörigen Pflanzen und Tieren. Andrea Fischer will die Besucher damit bewusst verlangsamen. Sie aus der so selbstverständlichen, alltäglichen Hektik reißen und ihnen ein Stück Natur zeigen, das sonst nicht sichtbar wäre. Sie sollen die Natur auf sich wirken lassen, ganz in Ruhe.

Der hölzerne Weg steigt leicht an, fast unmerklich. Sechs Prozent - ein Höhenunterschied von 14 Metern zwischen dem Anfang und dem Ende. Bei zehn Metern fängt der Pfad an, bei 24 Metern hört er auf. Somit ist er auch für Rollstuhlfahrer und Kinderwagen geeignet, ein Fahrstuhl soll im Oktober fertig gestellt werden.

Je höher man kommt, desto dünner werden die Baumstämme. Dünner und damit empfindlicher für Windstöße. Sie schwanken. Vor und zurück, nach links und rechts. Und obwohl der Lehrpfad fest im Boden verankert ist und auch in 20 Metern Höhe stabil zwischen den Bäumen steht, hat man immer wieder das Gefühl, er wackelt. Er, und nicht die Bäume. Oben wird es langsam lichter, die Sonne sucht sich ihren Weg durch die Baumkronen hindurch und malt Schatten auf die Holzlatten des Pfades. Schritt für Schritt kommt man den Wipfeln näher. Zwanzig Standorte im Hainich hatte man untersucht und sich schließlich auf das Gebiet an der Thiemsburg, am südöstlichen Zipfel des Nationalparks entschieden. Die interessanteste Stelle, wie Betriebswirtin Fischer sagt. Zehn verschiedene Baumarten wachsen hier, darunter auch die seltene Elsbeere. An allen kommt man vorbei auf dem Pfad, alle kann man sich aus nächster Nähe ansehen. Ein Areal, das kaum vom Menschen erschlossen ist, natürlich und ursprünglich. Zudem ist der Teil des Hainich touristisch gut erschlossen, der Parkplatz an der Thiemsburg liegt nur wenige Minuten zu Fuß entfernt und wurde inzwischen erweitert. Die Baumkronenforschung kommt aus den tropischen Regenwäldern, wo Forscher in Netzen zwischen den Gipfeln leben, um ganz nah an ihren Forschungsgegenständen zu sein. 1998 hatten zwei Studenten den Hainich untersucht und kamen zu dem Ergebnis, dass ein Lehrpfad durch die Baumspitzen dort gut hineinpassen würde. Was im Regenwald Netze sind, ist im Hainich nun der Holzpfad.

Und wenn unten am Waldboden alles schon in dämmriges Licht getaucht ist, bekommt man hier oben noch die letzten Strahlen der abendlichen Sonne mit.

Öffnungszeiten

vom 01.04. bis 31.10.  von 10.00 Uhr bis 19.00 Uhr

vom 01.11. bis 31.03.  von 10.00 Uhr bis 16.00 Uhr

Letzter Einlass erfolgt eine Stunde vor Schließung!

Eintrittspreise

eingeschlossen sind:

- der Besuch des Baumkronenpfades

- der Besuch des Nationalparkzentrums auf der Thiemsburg

- die Nutzung der Toiletten

Erwachsene

8,50 €/Prs.

Menschen mit Behinderung

7,50 €/Prs.

Jugendliche ab 13 Jahre,

Auszubildende und Studenten

3,00 €/Prs.

Gruppen (mind. 15 Prs.)

7,00 €/Prs.

Schulklassen (mind. 15 Schüler)

1,00 €/Prs.

Kinder ab 6 Jahre

1,00 €/Kind

Kinder bis 6 Jahr

freier Eintritt

Familienkarte

(mind. 2 Erwachsene + 2 Kinder**)

20,00 €

Inhaber einer Kurkarte

der Stadt Bad Langensalza

7,50 €/Prs.

Inhaber einer Jahresgartenkarte

der Stadt Bad Langensalza

7,50 €/Prs.

Inhaber einer Tageskarte

Gärten der Stadt Bad Langensalza*

7,50 €/Prs.

Besucher des Thermalbades

Bad Langensalza*

7,50 €/Prs.

Besucher der Stadtmuseums

Bad Langensalza*

7,50 €/Prs.

* bei Vorlage der Eintrittskarte/des Nachweises vom selben Tag

** Kinder, die die Ermäßigungstatbestände erfüllen

 

Schlechtwetterpreise***:

Erwachsene

2,50 €/Prs.

Schüler ab 13 Jahre,

Auszubildende und Studenten      

1,50 €/Prs.

Kinder bis 12 Jahre

freier Eintritt

*** Schlechtwetter = Wetterunbilden, wie Sturm, Eis usw. die einen Besuch des Pfades nicht ermöglichen

Für Veranstaltungen werden gesonderte Eintrittspreise erhoben.

Der Baumkronenpfad ist ganzjährig geöffnet,

außer am 24. und 31. Dezember. Wetterbedingte Schließungen sind möglich. Hunde sind auf dem Pfad nicht erlaubt.

 letzte Aktualisierung: 12.11.2010 17:23:03